Die Namensänderung aus religiösen Gründen

Unter welchen Voraussetzungen kann ich meinen Namen ändern?

Im deutschen Namensrecht gilt der Grundsatz der Namenskontinuität. Dies bedeutet, dass grundsätzlich jeder seinen Namen beibehalten soll (abgesehen von Eheschließung bzw. sonstigen Änderungen des Familienstandes und Adoption). Die Gründe hierfür sind die soziale Ordnungsfunktion des Namens sowie das sicherheitspolizeiliche Interesse an dessen Beibehaltung. Die Namensänderung ist somit nur ausnahmsweise zulässig. Nach dem Namensänderungsgesetz (§ 3) muss ein wichtiger Grund für die Namensänderung vorliegen.

Ein solcher ist gegeben, wenn bei einer Abwägung aller für und gegen die Namensänderung sprechenden schutzwürdigen Belange die für die Änderung sprechenden Interessen überwiegen. Die Rechtsprechung erkennt die Änderung des Namens aus religiösen Gründen ausdrücklich als wichtigen Grund im Sinne des § 3 Namensänderungsgesetzes an (Verwaltungsgerichtshof München, Urteil vom 03.06.1992 – 5 B 92.162, NJW 1993, 346).

Welche Probleme können auftreten?

Für die Behörde muss es glaubhaft sein, dass die Namensänderung auch tatsächlich aus religiösen Gründen stattfindet. Damit soll sichergestellt werden, dass z.B. Schuldner oder Beschuldigte einer Straftat eine Namensänderung aus religiösen Gründen nicht als Vorwand benutzen, um sich ihren Gläubigern bzw. den Behörden zu entziehen. Im Rahmen des Namensänderungsantrags wird daher die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses verlangt. Auch kann eine Einsichtnahme beim Schuldnerverzeichnis des Amtsgerichts sowie eine Auskunft bei der SCHUFA erfolgen.

Kann ich meinen Vornamen und meinen Nachnamen ändern?

Grundsätzlich gelten die Voraussetzungen zur Änderung des Namens sowohl für den Vornamen als auch den Nachnamen. Die Änderung des Familiennamens unterscheidet sich von der Änderung des Vornamens nur insoweit, als den öffentlichen Interessen, auf die bei der Änderung eines Vornamens Bedacht zu nehmen ist, ein geringeres Gewicht zukommt als dem öffentlichen Interesse am unveränderten Fortbestand eines Familiennamens (BVerwG, StAZ 1984, 131). Dies führt in der Praxis dazu, dass im Regelfall das öffentliche Interesse an der Beibehaltung des Familiennamens stärker gewichtet wird als das private Interesse an der Namensänderung. Fälle bei denen auch dem Antrag auf Änderung des Familiennamens aus religiösen Gründen entsprochen wurde, kommen äußerst selten vor. In einem hier bekannten Fall ging es um den Namensänderungsantrag eines muslimischen Antragstellers, der aufgrund einer Adoption als junger Erwachsener, den christlichen Namen seines Adoptivvaters angenommen hatte. Später heiratete der bis dahin nicht praktizierende Muslim eine religiöse Frau aus seiner Heimat und wandte sich in der Folgezeit auch mehr und mehr dem Glauben zu. Da der Antragsteller sich in religiöser Hinsicht nicht mehr mit seinem Adoptivnamen identifizieren konnte und der Name zu Irritationen innerhalb seines Freundes- und Bekanntenkreises führte, wurde ausnahmsweise seinem Antrag auf Änderung seines Familiennamens entsprochen.

An wen muss ich mich wenden, wenn ich meinen Namen ändern möchte?

Zuständig für den Namensänderungsantrag ist das Standesamt am Wohnsitz des Antragstellers bzw. der Antragstellerin. Dieses hält auch ein Formular bereit, das für die Antragstellung benutzt werden kann. Eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme mit dem Standesamt ist zu empfehlen.

Frankfurt am Main, 6. Juni 2011

Shehbaz Khan
Rechtsanwalt

khan@rechtsanwalt-khan.de